Vereinigung der Walliser Museen
Rue des Châteaux 14
CH-1950 Sitten
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Praktische Informationen
Gratisführungen
6. Nov., 4. Dez., 8. Jan., 5. Feb., jeweils um 14.00 Uhr.
Max. 5 Personen.
Auf Deutsch: auf Anfrage; auf Französisch bitte anmelden.
Zusätzliche Führungen
(D/F) werden auf Anfrage hin gerne organisiert und sind bis zum Juni 2011 gratis.
Anlässe
25.11.10, 20.00 Uhr Gespräch: Pour enfin Toucher Voir - ou les défis de l'accessibilité.
20.01.10, 20.00 Uhr Lesung: Ecouter Voir - Lassen Sie sich überraschen.
10.02.10, 20.00 Uhr Begegnung mit einem Werk von Maria Ceppi und der Künstlerin.
Information und Reservation
Tel. 027 606 46 90
sc-mediationculturelle@admin.vs.ch
08.11.2010/Infothek VWM
"berühren sehen" - Das Kunstmuseum Wallis öffnet sich für blinde und sehbehinderte Personen
Sitten - In Zusammenarbeit mit dem SBV (Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband) und mit Unterstützung der Loterie Romande präsentiert das Kunstmuseum Wallis „berühren sehen“, ein neues Angebot, welches das Museum blinden und sehbehinderten Personen zugänglich macht. Ab dem 2. Oktober bietet der Museumsbesuch neuartige Sehhilfen und Vermittlungsformen an: Modelle von Gebäuden und Werken zum Anfassen, mehrsprachige, für Sehbehinderte konzipierte Audioguides, besondere Führungen.
Mit dem innovativen Projekt „berühren sehen“ wollen die Walliser Kantonsmuseen ihre Ausstellungen für blinde und sehbehinderte Personen öffnen. Das neue Angebot versteht sich als Bestandteil eines breitgefächerten Vermittlungsprogramms, welches die Museen einem möglichst breiten und vielfältigen Publikum zugänglich machen soll (Schulen, Familien, Migranten, Behinderte usw.).
Dies unterstreicht auch Staatsrat Claude Roch, Vorsteher des Departements für Erziehung, Kultur und Sport des Kantons Wallis: „Zu den politischen Zielen des Departements für Erziehung, Kultur und Sport gehört die Förderung einer lebendigen und vielfältigen Kultur und die Ermöglichung eines möglichst breiten Zugangs zum kulturellen Angebot und zu den Kulturgütern. Das von den Kantonsmuseen in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband entwickelte Angebot ‚berühren sehen’ entspricht dieser Zielsetzung des Departements in geradezu idealer Weise. Und es bezeugt unser Bemühen um Integration und unseren Willen zur Beseitigung jeglicher Schranken, seien sie physischer, psychischer, gesellschaftlicher oder kultureller Art.“
Das Kunstmuseum Wallis entwickelt einen Prototyp
Es ist ausgerechnet das Kunstmuseum, also jenes Museum, das stark auf das Sehen setzt, welches als erstes mit dem Prototyp dieses neuen Angebots ausgestattet wird, bevor dieses im Geschichts- und im Naturmuseum weiterentwickelt wird. Konkret beinhaltet das neue Angebot mehrere innovative Elemente: Vermittlungsinstrumente zum Anfassen (Modelle von Gebäuden und Kunstwerken), Hörmittel (spezielle Audioführer auf deutsch, französisch und englisch), die Schulung von Fachpersonal (Empfangspersonen und Museumsführer), die Herabsenkung architektonischer Schranken. Das Kunstmuseum Wallis wird so durch einen angepassten und gesicherten Rundgang für blinde und sehbehinderte Personen zugänglich.
Die Hilfsmittel werden in den Ausstellungsräumen angeboten, unmittelbar neben den Originalwerken. Und sie stehen auch dem gut sehenden Publikum zur Verfügung. „Die eingesetzten Vermittlungsformen sind dem Grundgedanken verpflichtet, keine die behinderten Personen stigmatisierenden Mittel wie extrem vergrösserte Infotafeln oder Blindenschrift einzusetzen sowie trennende Einrichtungen wie besondere Räume oder Spezialateliers zu vermeiden. Vielmehr soll die behinderte Person den Rundgang als Einzelbesucher absolvieren sowie sich mit dem Museumspersonal und den übrigen Besuchern austauschen können“, sagt Marie Claude Morand, Direktorin der Walliser Kantonsmuseen.
Eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den Kantonsmuseen und dem SBV
Von seinem Anspruch wie auch von der Art der Zusammenarbeit her stellt das Angebot für die Schweiz eine Neuheit dar. Seit den ersten Ideen im Jahr 2007 wurde das Projekt von einem Team entwickelt, welches unterschiedliche und sich ergänzende Horizonte und Kompetenzen vereinigt:
Fachleute des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, sehbehinderte Personen, Kunsthistoriker und Empfangspersonen des Kunstmuseums, Führer und Mediatorinnen der Kantonsmuseen. „Von allem Anfang an fanden wir im Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband und seinen Walliser Zweigstellen Partner, die dem Projekt nicht nur wohlwollend, sondern geradezu enthusiastisch gegenüberstanden.
Damit waren die Voraussetzungen für eine fruchtbare, je geradezu exemplarische Zusammenarbeit gegeben. Beidseits bedurfte es einer gehörigen Portion an Offenheit und Neugier sowie des gegenseitigen Respekts, um die jeweiligen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Denn einerseits war es alles andere als einfach, ein Kunstmuseum, das in einem historischen Gebäude untergebracht ist, für blinde und sehbehinderte Personen zugänglich zu machen. Und anderseits galt es die Schwierigkeit zu meistern, ein Museumspublikum zu erreichen, welches Kunst mit andern Sinnen als mit dem Sehen wahrnimmt,“ erklärt Liliane-F. Roh, Verantwortliche für Bildung und Vermittlung bei den Kantonsmuseen und Koordinatorin des Projekts. Dieser Meinung ist auch Kannarath Meystre, Zentralsekretär des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes: „Für blinde und sehbehinderte Personen ist es von vitaler Bedeutung, sich in ihrem Wohnumfeld, in ihrer Stadt und ihrem Kanton gut integriert zu fühlen. In einer Welt, in der 80% der Informationen visuell vermittelt werden, isoliert eine Sinnesstörung das Individuum und erschwert ihm Aktivitäten in der Gesellschaft. (…) Für uns, die wir sehbehindert oder blind sind, stellt das Angebot ‚berühren sehen’ eine Einladung dar, uns einen Kulturraum anzueignen und uns für eine museale oder künstlerische Demarche zu öffnen. Doch gleichzeitig wird dieses Angebot zur willkommenen Gelegenheit, mit unseren Freunden oder Familien einen Ort zu teilen, an dem wir wirklich integriert sind.“
Diese Art von Austausch und Zusammenarbeit hat ein sehr reichhaltiges Projekt hervorgebracht, welches sich nicht nur an sehbehinderte Personen richtet, sondern grundsätzlich an alle, also auch an die gut Sehenden: „Sich den Kunstwerken durch Tasten und Hören anzunähern, heisst gleichzeitig, sie auf eine neue Art zu ‚sehen’,“ betont Marie Claude Morand.








