Volksfrömmigkeit

2007/Lötschentaler Museum

Im Rahmen von Museumsnetz Wallis/Réseau Musées Valais arbeitet das Lötschentaler Museum 2007 zum Thema: „Volksfrömmigkeit“. Dabei geht es um die Bedeutung von Devotionalien im 19. und 20. Jahrhundert.

Ähnlich der Reformation im 16. Jahrhundert stellte im 19. Jahrhundert eine Phase der Säkularisierung den kirchlichen Anspruch auf Absolutheit in Frage. Auf diese Herausforderung reagierte die Kirche unter anderem mit einer Hinwendung nach Rom sowie durch eine stärkere Personifizierung des Heiligen und eine Art von Demonstrationskatholizismus. Gleichzeitig zog sich die Sakralisierung des Alltags zunehmend in die Privatsphäre zurück. In diesem Zusammenhang erlangt der Gebrauch von Devotionalien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Dynamik.

Entspricht diese Praxis spontanen Ausdrucksformen einer gläubigen Gemeinschaft oder ist sie das Resultat von durch die Amtskirche verordneten Formen? Vermutlich weder das eine noch das andere. Denn Volksfrömmigkeit ist weniger etwas Eigenständiges als vielmehr etwas Vermitteltes zwischen der Lebenswelt der Gläubigen einerseits und der Doktrin der offiziellen Kirche anderseits.

Das Projekt „Volksfrömmigkeit“ gilt in erster Linie konkreten Formen solcher Vermittlungsprozesse. Diese materialisieren sich nicht nur in Devotionalien und Andachtsbildern, sondern auch in verschiedenen Formen von Schriftlichkeit (Gebetsbücher, Zeitschriften usw.). Objekte dieser Art finden sich in zahlreichen Museen des Wallis. Das Forschungsprojekt dürfte deshalb für die Museumslandschaft als ganze von Interesse sein.