Sauerwein und Apfelschnaps

Markus Schmid: „Vater hat hier bis um 1982/83 gepresst.“

Ich bin das vierte von zehn Kindern, wir wohnten direkt hier neben dem Driel, das Elternhaus trägt die Jahrzahl 1651 auf der Binde. Und auf einer Fotografie sieht man die Kinder, die hier rundherum wohnten, beim Putschu [Zerschlagen der Äpfel mit einem Holzhammer]. Da ist der Stefan, die Andrea, Mathis (*1955), Sidi und ich selber (von rechts nach links). Das Bild ist um 1959. Aber dieses Apfelputschu hier geschah nur für das Foto. Wir waren nicht die richtigen Putscher.

Im Dialekt sagten wir immer ‚dr Burgärdriäl’ und alle konnten kommen und ihn benutzen, fer Jänno z prässu, den Absatz des Weines, den man in Brenten hierher brachte, oder um Äpfel zu pressen. Birnen hat man weniger giputschud. Das gab Sauerwein. Man machte auch Apfelschnaps.

1964 kam die Strasse, und da war es mit Vielem fast von einem Moment auf den anderen vorbei. Vorher hat fast jeder igwimdud in St. German. Der Saure war in einer Tinna und der Fendant oder der Rote waren in einer Tinna. Dem Besseren sagte man auch Töifwii. Gwimdod hat man Ende August / Anfang September, heute tut man das später. Im Dezember oder im Januar brachten sie dann mit den Maultieren den Wein oder den Jänno (Trester) hierher. Unnewägg hed mu in de Tinnu dr Lüüterwii abgizogu, i Lagel gfilld, dr Jänno i Bränntu, und die Maultiere trugen dann oft zwei Brenten (seitlich) und oben drauf noch ein Lagel, oder auch drei Brenten oder drei Lagel. Die Maultiere waren von hier oder von St. German. Die Lagel hat man dann in kleine Fässchen geleert. Den Jänno brachte man also in Brenten hierher und leerte ihn auf den Tisch, dann kamen die Hölzer drauf, zuoberst die Kantholze, de hed me agitrikkt, da kam der Driälwii heraus, der war trüb und floss heraus. Danach wurde der Jänno mit dem Beil zerschnitten und ein zweites Mal gepresst, aber nicht zu fest, denn zum Brennen es war gut, wenn noch etwas Flüssigkeit drin war.

Eine Brente fasste 45 bis 55 Liter und in der Regel man war zu zweit, um sie auf den Tisch z leeschu; ilaa konnte einer allein, doch war man meist auch zu zweit. Fer ds Gwicht z triibe war man zu zweit, oft auch zu viert, wenn genügend Leute da waren. Das Gewicht hob sich 10 bis 20 Zentimeter ab Boden. Beim Schnabel stand die Bränta drunder, von hier ging es in den Keller, dort in ein eigenes Fass, bis der Drielwii schich hed gliiterod [bis der Drielwein sich geläutert hatte, bis er klar wurde].

Vater hat hier bis zu seinem 72. oder 73. [Lebensjahr] gidrielod. Also bis um 1982 oder 83. So lange hatte er auch die Reben.

- Wie hiess Ihr Vater und welche Lebensdaten hatte er?

Johann Schmid, dr Fluri sagte man hier, geboren 1910; gestorben ist er 1988. Dem Grossvater, Lukas, sagten sie schon Fluri; vielleicht war da einer Flurhüter.

Ds Putschu va de Epfja

Beim Putschen der Äpfel ging das Schlag auf Schlag. Jedem Apfel gab man einen Schlag mit dem Hammer, damit die Feuchtigkeit besser herauskommt. Putschen sagten wir. Das hed hie im Schnabel richtig gschreed, das war ein süsser Most und wir Kinder hielten den Mund drunter. Aber nicht jeder hatte seflig Epfja [nicht alle hatten so viele Äpfel]. Dr Putsch heindsch in äs Faas und la gääru und das gab einen säuerlichen Wein. Wa d Schtraas ischt choo, hed das rapid ggändrod, da hat man dann auch bald in den Keller gidrielod [mit privaten kleineren Pressen gepresst, in den Kellern]. Und man putschte nur, was zum Essen nicht gut war, von den Bäumen, die nicht gizwiijod waren [die nicht veredelt waren].

D Hamme (die Schinken)

Und we wier gmetzgod hei, hei wier hie d Hamme giprässt. Dadurch hatte man die Flüssigkeit eher draussen und konnte sie früher im Speicher aufhängen. Man legte die Hamme in äs Choretuech, es grebers, damit die Katzen sich nicht an den Schinken machen konnten. Gepresst hat man nicht so lange, einen Tag oder eine Nacht lang, das genügte. Es kam so eine Flüssigkeit heraus, ein Gemisch aus Blut und Wasser.

Der Wein

Zim Meeju ischt mu z Grund gangu bis an e Rottu und wieder hinauf bis oben aus, im Sädel und so. Bei diesen schweren Arbeiten hatten sie gerne Wein. Der war natürlich viel weniger stark als der heutige. Die füllten da einen Liter, zwei oder drei in die Butilla und schwitzten das bei der Arbeit aber alles aus. Für die älteren Leute war das sehr wichtig, möglichst lange im Sommer noch Wein zu haben. Das Korn schneiden, das Hauen, das waren schwere Arbeiten.

„Das ischt im Herbscht eis Gnitschär gsi“

Emma Leiggener-Schmid: „Auch Holunder haben wir auf dem Driel gepresst.“

Das war im Herbst ein dauerndes Klopfen, erinnert sich Emma Schmid-Leiggener (*1920).“Da sind Holzschlegia [Holzschlägel] gsi, und das ischt da im Takt gangu, bis mitsch in d Nacht. Di Epfia wa suscht fer nix sind gsi, hed mu gnitschgod [jene Äpfel, die sonst zu nichts taugten, hat man geklopft]. Und auch die Holderbeeren habe man in einen Sack getan, unter die Presse gelegt und den Saft ausgedrückt.“

 

Drielgebäude und Übersicht über den Innenraum mit dem mächtigen Hebelarm; Markus Schmid (*1945) vor dem Presstisch, mit den Hölzern zum Fixieren und Beschweren des Pressgutes.

Museum Ausserberg

 

Interview: Edwin Pfaffen, Werner Bellwald, in Ausserberg (2009)
Transkription und Text: Edwin Pfaffen, Werner Bellwald
Fotos: Werner Bellwald