Das liess mir keine Ruhe...

Gérard Rey (*1934) ist ein engagierter Ortshistoriker von Lens. Dank seinen Kenntnissen gelang es, die auf den Gemälden dargestellten Personen zu identifizieren..

Alle denkbaren schriftlichen Dokumente, Fotografien und alte Ansichtskarten, Erzählungen und Erinnerungen häufen sich bei Gérard Rey an – eine wahre Fundgrube. Im Staatsarchiv hatte er im Inventar des Fonds Briguet entdeckt, dass eine Reihe Gemälde bereits 1976 retourniert worden waren. Doch welche Bilder? Und zurückgegeben wohin?

Gérard Rey konnte sie nie auffinden bis er eines Tages, es war 2008, ins Museum du Grand Lens kommt. Im Erdgeschoss sind einige Bilder ausgestellt, kaum beleuchtet, ohne Beschriftung. « Das liess mir keine Ruhe… Könnten das vielleicht die Briguet sein? »

Damit beginnt eine langwierige Suche, in Archiven und in Büchern. Und Gérard Rey gelingt es, die neun Personen zu identifizieren, die auf den Gemälden dargestellt sind. Zu jedem der Briguet fasst er einige zentrale Punkte aus dem Lebenslauf zusammen.

Joseph Michel Briguet (1776-1832).
Joseph Michel Briguet (1776-1832).

Zuvorderst ist das Porträt von Joseph Michel Briguet. Er wurde 1776 geboren und man nannte ihn Michel. Er wurde Lehrer am  Kollegium in Sitten, dann Pfarrer in Chalais, Granges und Venthône. Schliesslich ernannte man ihn zum Chorherrn an der Kathedrale von Sitten.

Offensichtlich gehörte er nicht zu den Ärmsten – einen Tag vor seinem Tod, am 25. April 1832, verfasste er sein Testament und beschloss, dass sein Teil am väterlichen Haus und ein Teil an einem Haus in Flanthey mitsamt den Rebbergen seinem Bruder zufallen sollten. Ausserdem vermachte er seinem Neffen Jean-Baptiste seine Bibliothek, die Bilder und die geographischen Karten.

Über das persönliche Schicksal von Michel Briguet hinaus ist diese Gemäldesammlung in einem anderen Zusammenhang aufschlussreich: Wir befinden uns in einer Zeit, als die Fotografie noch nicht existiert. In einer bäuerlichen Gesellschaft verfügt niemand über das Geld, um einen Maler zu engagieren. Gemälde finden sich in den reichen Haushalten der Städte. Man ist überrascht, so etwas in einem Bauerndorf zu finden, wie Lens vorwiegend eines ist.

Doch dürfen wir nicht vergessen, dass Lens das religiöse und politische Zentrum mehrerer umliegender Dörfer war. « Dort lebten wohlhabende Familien wie die Briguet. In deren Haus, la maison Briguet du Revers, hing eine ganze Reihe von Bildern an den Wänden des Salons, beeindruckende Zeugen der lange währenden Macht einer Familie. »

 

Museum zu Lens

 

Text & Fotos Werner Bellwald, 2011